Anlagestrategien

Welche Anlagestrategie ist die richtige...?

...erste Schritte zum Vermögensaufbau
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Anlagestrategien

Du hast etwas Erfahrung mit der Investition deines Kapitals gesammelt und die ersten Fonds, ETF’s oder Aktien gekauft und verkauft? Schnell wirst du merken, dass es sinnvoll ist, mit einer Anlagestrategie an die Investition deines Kapitals heranzugehen. Gerade wenn dein Portfolio etwas größer geworden ist oder du in verschiedene Sparpläne investierst, wird es Zeit dein Portfolio etwas breiter aufzustellen. 

Wahrscheinlich hast du viel Zeit mit der Recherche an den Kapitalmärkten verbracht und dir einen Überblick der Alternativen deiner Investitionsmöglichkeiten verschafft. Vielleicht hast du mit etwas Glück auch richtig gute Chancen genutzt oder diese gleichzeitig wieder verstreichen lassen? Um dir langfristig ein kleines Vermögen aufzubauen ist es notwendig sich eine Anlagestrategie nach seinen persönlichen Präferenzen zurechtzulegen.

Was versteht man unter Anlagestrategien?

Eine Anlagestrategie ist ein Plan, nachdem du deine/eine Entscheidung für ein Investment triffst oder auch nicht. Hierfür hast du dir deinen persönlichen Finanzplan erstellt. Deine Anlagestrategie ist zugeschnitten auf deine persönlichen Präferenzen und Ausgangssituation. Es greift wieder unser bekannter Ansatz von Sicherheit, Liquidität und Rentabilität

Wie sieht dein Finanzkonstrukt aus? Die wichtigste Entscheidung ist dabei die Definition seiner persönlichen Risikobereitschaft. Du solltest dir im Klaren sein, wie viel Risiko du eingehen möchtest oder eben leisten kannst. Somit stellt deine Anlagestrategie einen Rahmen für die Auswahl deiner Investition und Anlageklassen dar. Bei den meisten Plattformen kannst du das Chancen-Risiko-Profil deiner Investition schnell erkennen. Deine grundsätzlichen Fragen sollten lauten:

  • Welches Anlageziel verfolge ich?
  • Welchen Anlagehorizont möchte ich verfolgen?
  • In welcher Situation befinde ich mich und was bedeutet dies für meine Kapitalbindung?
  • Welches Risiko bin ich bereit einzugehen?
  • Wie viel Zeit möchte ich mit meinen Kapitalanlagen verbringen?

Individuelle Anlagestrategien

Anlagestrategien unterscheiden sich grundlegend im Chancen-Risiko-Profil. Es ist ein Unterschied, mit welchen finanziellen Background du beginnst, deine Anlagestrategie zu definieren. Bist du noch sehr jung, so hast du einen sehr langfristigen Anlagehorizont. Jedoch haben die meisten in jungen Jahren noch sehr wenig Kapital, worauf sie zurückgreifen können. Gleichzeitig bietet diese Situation aber die Möglichkeit höhere Risiken bei der Investition deines Kapitals einzugehen. Hingegen sollten Vertreter der älteren Generation eher auf eine konservativere Anlagestrategie zurückgreifen. Hierbei steht der Werterhalt und die Sicherung des vorhanden Kapitals im Vordergrund. 

Eine Anlagestrategie beginnt schon bei der Auswahl deiner Anlageklassen. Somit können jüngere Investoren höhere Risiken mit den Anlageklassen von Fonds, ETF’s oder Aktien eingehen, da Ihnen der Faktor Zeit zur Verfügung steht. Gleichzeitig ist der Bedarf an liquiden Mitteln größtenteils geringer.
Bei den sicherheitsorientierten Anlegern sollte der Anteil an (vermeintlich) sicheren Anlageklassen wie Sparbriefe, Tagesgelder und Festgelder einen größeren Sicherheitsfaktor in das persönliche Portfolio bringen. Entscheidend für die Auswahl der passenden Anlagestrategie ist, das persönliche Anlageziel unabhängig in welcher Situation sich der Investor befindet. Willst du schnell reich werden ist es unvermeidlich ein höheres Risiko einzugehen! Wichtig ist sich an die gewählte Strategie zu halten.

folgende Beispiele...

Wenn man zum Beispiel sein Depot 50/50 in Aktientitel und ETF’s aufgeteilt hat, können Verluste in einem dieser Bereiche mit Gewinnen aus dem anderen ausgeglichen werden. Möglich ist auch eine Diversifizierung nach Ländern und Branchen. Investoren können zwischen fünf Anlageklassen wählen. Das Ergebnis sollte im Endeffekt aber immer eine ausgewogene Anlagestrategie sein. Man spricht auch vom „balanced investor“, also dem „ausgewogenen Anleger“. Somit sollte das Kapital prozentual über die verschiedenen Anlageklassen und gewählten Finanzprodukte verteilt sein. Eine Anlagestrategie kann sich somit auf dein gesamtes Vermögen oder einzelne Portfolios beziehen. 

Es ist auch ratsam in seinem persönlichen Vermögensaufbau sein Kapital in unterschiedliche Bereiche einzuteilen, wobei man für jeden Bereich eine individuelle Strategie festlegen kann. Somit ist es nicht ausgeschlossen, mit einem Teil seines zur Verfügung stehenden Kapital, sowohl eine sehr konservative, sichere Anlagestrategie zu verfolgen. Parallel kann ein weiterer Teil des Kapitals in einer eher chancen- und risikoreichen Anlagestrategie investiert sein.

Beispielsweise habt Ihr in einem Depot einen kleinen langfristigen Sparplan laufen und in sichere Fond oder ETF’s auf den MSCI World investiert. Mit einem weiteren Depot, welches bei derselben Bank oder gerne auch einem Onlinebroker liegen kann, habt Ihr das Zock-Kapital, um doch die Chancen auf schnellen Reichtum zu wahren. Somit ist es möglich über die Zeit einen doch recht nachhaltigen Vermögensaufbau zu betreiben.
Vorab, die eine universelle Strategie gibt es nicht. Einzig die Veränderung ist konstant.

Anlagestrategien kurz vorgestellt

In der Theorie kann man drei Klassen von Anlegern unterscheiden. Der konservativen Anleger, welcher die Sicherheit seines angelegten Kapitals über die Rendite stellt. Den ausgewogenen Anleger, der neben einem großen Sicherheitsanteil auch durch Beimischungen in seinem Portfolio ein gewisses Maß an Risikobereitschaft besitzt. Die dritte Klasse der Anleger sind die dynamischen, meist jüngeren Anleger, welche sich bewusst für ein hohes Chancen-Risiko-Profil entscheiden. Gerade in den letzten Jahren sehen wir hier viel Kryptojünger, die Ihr gesamtes Kapital in diese aufstrebenden Anlageklassen setzen, welches durch den einfachen Zugang der Märkte durch die NEO-Broker begünstigt wurde.

Buy & Hold Strategie

Eine der bekanntesten Strategien, welche unter anderem von Warren Buffett propagiert wurde. Andrè Kostolany interpretierte diese Strategie mit den Worten: „Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten“. Damit wollte der 1999 verstorbene Börsenaltmeister sagen, dass sich Geduld am Aktienmarkt langfristig auszahlt. (Solange man seine Hausaufgaben richtig erledigt hat!) Bei der Buy & Hold Strategie suchen sich die Investoren vielversprechende Unternehmensaktien aus, kaufen diese und lassen sie für einen längeren Zeitraum liegen. 

Hierbei reden wir über einen Zeitraum von mindestens fünf, meist aber eher zwanzig Jahren. Dieses ist für Investoren geeignet, welche nicht zu viel Zeit mit Ihren Kapitalanlagen verbringen möchten. Der Zeitaufwand ist ziemlich gering und der Ertrag kann ziemlich hoch sein. Stellt euch vor, ihr hättet vor 10 oder 20 Jahren in die aufkommende Internetunternehmen wie Google (Alphabet) oder Amazon investiert. Auch ist das Risiko des „falschen Einstiegszeitpunktes“ bei volatilen Märkten durch den langen Zeithorizont fast ausgeschlossen. Gleichzeitig eine (die) anwendbare Strategie für langfristige Sparpläne.

  • sehr langfristiges Anlageziel (> 5 Jahre)
  • für Wachstums- und Value-Investoren geeignet
  • langfristige Kapitalbindung wird vorausgesetzt 
  • geringes Risiko bei langfristig guten Chancen auf Rendite
  • geringer Zeitaufwand (Einmalinvestition oder Sparplan)

Index-Strategie

Eine ebenfalls eher langfristige Anlagestrategie für „faule“ Investitionen mit einem geringen Aufwand an Zeit. Hierbei werden meist die Anlageklassen der Fonds und ETF’s für die Abdeckung dieser Strategie genutzt. Eine klassische Strategie für die langfristigen Sparpläne. Der Investor sucht sich einen der bekannten Indizes aus und prüft die vorhanden Finanzprodukte der verschiedenen Anbieter für diesen Index. Die klassische Variante ist ein ETF auf den MSCI-World, welcher gerade für jüngere Investoren mit einem langfristigen Anlagehorizont sehr attraktiv sein kann. 

Auch kann man diese Strategie sehr gut mit der Diversifikation in verschiedene Regionen oder Branchen kombinieren. Beispielsweise gibt es diverse ETF’s auf den DOW oder S&P 500, wobei der nordamerikanische Raum abgedeckt wird. Oder Ihr glaubt an die überdurchschnittliche Entwicklung in Deutschland, so stehen diverse Fond & ETF’s auf den DAX bereit. Neben den Regionen können auch Länder abgedeckt werden, welche durch Branchenfonds und ETF’s repräsentiert werden. Immer an den einschlägigen Namenszusätzen der Produkte zu erkennen: -Security, -renewable energy usw. ! Mit einer solchen Index -Strategie werden die Risiken in Depot erheblich gemindert, da die Produkte immer mit den Indizes mitlaufen.

  • langfristiges Anlageziel (> 3 Jahre)
  • für Wachstums- und Value-Investoren geeignet
  • langfristige Kapitalbindung wird vorausgesetzt 
  • geringes Risiko bei langfristig guten Chancen auf Rendite
  • geringer Zeitaufwand (Einmalinvestition oder Sparplan)

Size-Strategie

Bei dieser Strategie sucht sich der Investor seine Anlagen nach der Größe der Marktkapitalisierung der Unternehmen aus. Der Ansatz liegt darin zu glauben, dass die heutigen „großen“ Unternehmen auch in Zukunft weiter wachsen werden. Die Marktkapitalisierung ergibt sich aus dem aktuellen Börsenkurs multipliziert mit der Anzahl der Aktien. Hier redet man über die sogenannten Large Caps (Blue Chips) an den Börsen. Eine Size-Strategie steht immer für Sicherheit und Stabilität.

Man geht davon aus, dass große etablierte Unternehmen auch weiterhin kontinuierlich wachsen, mit stetigen und stabilen Erträgen. Meist sind in solchen Werten auch größere institutionelle Anleger, Fonds wie Vanguard oder Blackrock, investiert. Diese starken Hände verleihen den Werten eine gewisse Sicherung gegen zu starke Kursschwankungen. Aus meiner persönlichen Sicht eine der doch eher zu vernachlässigende Anlagestrategien, da uns die jüngere Zeit gezeigt hat, dass Größe kein Garant für stetigen Wachstum ist. Eher sollte man hier Philip Fisher folgen und die Größe mit der Recherche nach einem fähigen und anpassungsfähigen Management zu kombinieren.

  • mittelfristiges Anlageziel (ca. 3 Jahre)
  • für Wachstums-Investoren geeignet
  • mittelfristige Kapitalbindung wird vorausgesetzt 
  • mittleres Risiko bei hohen Chancen auf Rendite
  • hoher Zeitaufwand (eingehende Markt- & Wachstumsanalyse)
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Growth-Strategie

Eine eher zu bevorzugende Strategie in unserer schnelllebigen Zeit ist die Growth-Strategie. Hierbei muss der Investor in der Lage sein, die meist jüngeren Unternehmen hinsichtlich Ihres zukünftigen Wachstums zu bewerten. Dabei konzentriert er sich auf die Branchen, welchen in den nächsten Jahren ein überdurchschnittliches Wachstum vorhergesagt werden. (Biotech, Blockchain, Cannabis).

Aus diesen ausgewählte Zukunftsbranchen oder Markttrends versucht der Investor dann die Unternehmen mit dem größten Wachstum und Marktchancen zu evaluieren und investiert. Dieses ist größtenteils etwas schwieriger, da man genauere Kenntnisse über die mehrheitlich jungen Firmen und deren Geschäftsmodelle haben sollte. Die Growth Strategie ist mittelfristige eine der rentabelsten Anlagestrategien!

  • langfristiges Anlageziel (> 3 Jahre)
  • für Value-Investoren geeignet
  • langfristige Kapitalbindung wird vorausgesetzt 
  • geringes Risiko bei langfristig mittleren Chancen auf Rendite
  • geringer Zeitaufwand (Einmalinvestition oder Sparplan)
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Value-Strategie

Der Urvater der Value-Strategie ist Benjamin Graham. Bei der Value-Strategie sucht der Investor nach potenziell unterbewerteten Unternehmen am Markt und investiert in diese. Hierbei werden die Kennzahlen des inneren Unternehmenswertes herangezogen (meist das KBV) und mit der realen Marktkapitalisierung vergleichen. Dabei sollten interessante Unternehmen knapp unter Ihrem „fairen Wert“ (<1) am Markt gehandelt werden. Der Investor erwartet dabei, dass sich die Unternehmen über die Zeit an den realen Wert anpassen werden.

Auch hierfür ist etwas mehr Kenntnis der Unternehmenskennzahlen notwendig. Dabei handelt es sich vorwiegend um Unternehmen, die schon länger am Markt bestehen und Ihre großen Wachstumsphasen hinter sich haben. Gerade dann verlieren viele Renditen – Jünger Ihr Interesse und lassen den Wert aus Ihrem Fokus verschwinden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Unternehmen nichts mehr Wert sind. Die Value-Strategie ist eher eine Strategie für Investoren, welche mehr Zeit in der Recherche haben und gleichzeitig einen mittelfristigen Anlagehorizont verfolgen. Also, perfekt für die Investoren des Mittelalters mit einem gewissen Bestand an Kapital.

  • mittelfristiges Anlageziel (ca. 3 Jahre)
  • für Value-Investoren geeignet (Substanzwertanalyse)
  • mittelfristige Kapitalbindung wird vorausgesetzt 
  • mittleres Risiko bei hohen Chancen auf Rendite
  • mittlerer Zeitaufwand (eingehende Substanzzahlen – Bilanz)
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Dividenden-Strategie

Der Klassiker, die Dividendenstrategie ist eigentlich eine Erweiterung der Value Strategie von Benjamin Graham. Hierbei schaut man neben der fundamentalen Bewertung hauptsächlich auf die Kennzahlen der Dividendenrendite (pro Aktie) und dem stetigen, kontinuierlichen Anstieg dieser Dividenden. In vielen Foren und Beiträgen wird von sogenannten Dividenden-Aristokraten gesprochen (Ford, AT&T, 3M oder die Allianz). Dividenden Aristokraten bezeichnen in der Regel Aktientitel, welche Ihre Dividenden über die letzten 25 Jahre kontinuierlich erhöht haben. Der Nachteil für den Erhalt eines solchen Beinamens sind manchmal die Vernachlässigung der operativen Geschäfte und der notwendigen Investitionen aufgrund des Dogmas einer Dividende. 

Neben den Dividenden-Aristokraten bin ich ein Fan von der Klasse der Immobilien REIT’s. Hierbei handelt es sich um große Immobilienfirmen, die mit Ihren Assets kontinuierlich Mieterträge abwerfen und zusätzlich eine Wertsteigerung in der Bewertung der Immobilien erfahren (zumindest in den letzten 5 Jahren). Dabei muss ein REIT (aufgrund steuerlicher Vorgaben) 90 Prozent seiner Gewinne an die Aktionäre ausschütten. Viele amerikanische REIT’s schütten sogar monatlich eine Dividende aus, was einem passiven Einkommen gleichkommt. Die Politik hat diese Anlagenklasse der Investitionsprojekte geschaffen und gefördert, damit auch Investoren, welche sich keine eigene Immobilie aufgrund des fehlenden Kapitals leisten können, in den Genuss von Mieterträgen kommen können.

Ich finde gerade in Zeiten, in denen die Immobilien derart überbewertet sind, ist dieses eine gute Alternative. Gleichzeitig kann man diese Investition auch kurzfristig liquidieren, welches bei einer realen Immobilie schon etwas schwieriger ist (gerade wenn alle verkaufen wollen …). Ein REIT hat sich sogar den Namen „Realty Income“ (WKN: 899744) gegeben. In unserem europäischen Raum wäre hierfür als Beispiel die Vonovia (WKN: A1ML7J) zu nennen. Eine Dividendenstrategie kann einem Depot als Beimischung (sagen wir 40 %) eine erhebliche Stabilität in die Performance des Portfolios bringen. Allerdings ist dieses wieder nur wirklich einträglich und sinnvoll, wenn man mit einem gewissen Kapital investiert ist.

  • langfristiges Anlageziel (ca. 5 Jahre)
  • für Dividenden-Investoren geeignet (Dividenden)
  • mittelfristige Kapitalbindung wird vorausgesetzt 
  • geringes Risiko bei geringen Chancen auf Wertzuwachs (Rendite = Dividende)
  • mittlerer Zeitaufwand (eingehende Substanzzahlen – Dividende)
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Long-Short-Strategie

Eine Long-Short-Strategie eignet sich für die versierten Anleger mit mehr Zeit und Freude am Investieren. Eigentlich müsst man hier eher vom Trading an den Märkten sprechen. Mit dieser Strategie werden üblicherweise nicht direkt Aktientitel gekauft, sondern mithilfe von Derivaten die Positionen optional gehebelt. Klassischerweise sprechen wir hier von Put- bzw. Call-Optionen, welche mit verschieden Finanzprodukten oder besser Konstrukten, wie beispielsweise Knockout-Zertifikaten, am Markt platziert werden. 

Der Vorteil, man kann überdurchschnittlich von den Kursbewegungen profitieren, jedoch auch alles verlieren. Auch reden wir hier von jenen Instrumenten, welche die Welt 2008 in eine bis heute andauernde Finanzkrise gerissen haben. Meist verdienen nur die Emittenten an dieser Art von Finanzprodukten. Je nach Kurserwartung und Risikoposition des Anlegers spricht man im Börsenjargon von einer Short- oder Long-Position. „Long“ meint steigende Kurse und „Short“ ist die Wette auf fallende Kurse. Wer im Wertpapierhandel eine Long-Position eingeht, entscheidet sich also beispielsweise Aktien zu kaufen, um eine Wertsteigerung zu erzielen. Wird ein Asset dagegen „geshortet“, geht der Investor davon aus, dass es überbewertet ist und im Preis nachlassen wird. 

Von Marktneutralität spricht man, wenn ein Portfolio sowohl Long- als auch Short-Positionen umfasst. Eine solche marktneutrale Strategie wird dann auch als Long-Short-Strategie bezeichnet. Solche Instrumente und Strategien eignen sich ausschließlich für Trader, welche größtenteils nur auf kurzfristige technische Kaufsignale traden. Diese betrachten das Traden von Kursen auch als Full-Time-Job!

  • kurzfristiges Anlageziel (ca. 1 Tag/Woche)
  • für Day-Trader geeignet (tägliche Aktivität)
  • kurzfristige Kapitalbindung 
  • sehr hohes Risiko bei hohen Chancen auf Wertzuwachs
  • Full-Time-Job

Trendbestimmungsstrategie

Die Trendbestimmungs­strategie ist eine spezielle Form der Anlagestrategie. Ebenso wie die Long-Short-Strategie konzentrieren sich die Anleger (Trader) auf technische Signale. Sie gehen davon aus, dass sich Aktienkurse in Trends bewegen. Markttrends ergeben sich aus dem Phänomen, dass der Verlauf von Wertpapierkursen ein gewisses Trägheitsmoment besitzt. Demnach neigt eine Entwicklung dazu, sich im angelaufenen Prozess eher fortzusetzen.
Bei den Investitionen mittels Trendbestimmungs­strategie folgern Anleger oder Fondsmanager daraus, dass die Wahrscheinlichkeit einer Fortsetzung des Trends größer ist als eine Trendumkehr. Eine der wichtigsten Methoden zur Bestimmung eines Trends von Wertpapieren ist die Chart-Analyse bzw. technische Analyse. Sie wurde von dem US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Charles Henry Dow, nach welchem auch der von ihm entwickelte Dow-Jones-Index benannt ist, begründet. Dow’s Analysen zufolge verhalten sich Finanzmärkte zyklisch und verlaufen in kurz-, mittel- und langfristigen Wellenbewegungen.

Aus diesen Wellen ergibt sich die Grundrichtung eines Aktienkurses. Mittels Trendlinien, Unterstützungslinien und Widerstandslinien versuchen Börsenanalysten, aus den vergangenen Notierungen des Papiers einen Aufwärts- oder Abwärtstrend abzulesen. Bei der Trendbestimmungs­strategie wird für ein Wertpapier häufig ein Trendkanal festgelegt, der zwei möglichst parallele Geraden im Chart markiert.
Man erwartet, dass sich der Kursverlauf über längere Zeit einigermaßen stabil zwischen den beiden Trendkanalgrenzlinien bewegt. Die kurzfristigen Schwankungen innerhalb des Trendkanals sowie Überschreitungen der Linien können dann zum anderen als Hinweis für geeignete Einstiegs- oder Ausstiegszeitpunkte gelten.

Moving Average

Ein anderes Hilfsmittel, um den Trend eines Wertpapiers zu ermitteln, ist die Betrachtung von „gleitenden Durchschnitten“ (GD) bzw. „Moving Averages“ (MA). Sogenannten Indikatoren. Mit dem gleitenden Durchschnitt nimmt man eine Glättung des vergangenen Kursverlaufs vor, um die Trendbestimmung zu erleichtern. Dabei spiegelt der Trendindikator diverse Kursinformationen über einen definierten Zeitraum in einer Durchschnittslinie wider. Bei den genannten und allen weiteren „trendfolgenden Indikatoren“, die Analysten für eine Trendbestimmung heranziehen, besteht die Problematik, dass sie einen Trend zumeist nur dann anzeigen können, wenn er die Richtung bereits eine Weile eingeschlagen hat. Ändert ein Kurs seine Richtung derart, dass man vom Ende oder einer Umkehr des Trends sprechen muss, stellen sie dies oftmals erst mit einer Verzögerung dar.

Hier können erhebliche Verluste eingefahren werden. Außerdem können Trendfolge-Indikatoren in Phasen, in denen kein eindeutig vorherrschender Trend vorliegt, auch falsche Signale liefern… Diese Strategie der Investition an den Märkten erfordert viel Zeit, Geschick und teure spezielle Zugänge zu den kurzfristigen Kursen.

  • kurzfristiges Anlageziel (ca. 1 Tag/Woche)
  • für Day-Trader geeignet (tägliche Aktivität)
  • kurzfristige Kapitalbindung 
  • sehr hohes Risiko bei hohen Chancen auf Wertzuwachs
  • Full-Time-Job

antizyklische und prozyklische Anlagestrategie (social trading)

prozyklisch handeln

Wer prozyklisch Geld in Aktien anlegt, schwimmt letztendlich nur mit der Masse und den vorherrschenden sozialen Meinungen der Medien. Dies kann auch mittelfristig gut gehen und enorme Gewinne bescheren. Betrachten wir die Phänomene von AMC oder der Reddit Gemeinschaft. Mit genügend Reichweite und entsprechenden Kapital kann man sogar große ETF’s ins Wanken bringen. Allerdings hat diese wenig mit investieren zu tun.

Definiert man prozyklische Strategien, würde es heißen, der Anleger investiert in Märkte, Unternehmen oder Wertpapiere, die auch viele andere Investoren bevorzugt kaufen. Investieren viele Anleger in eine bestimmte Aktie, steigen Nachfrage und Kurs. Die Idee der prozyklischen Anlagestrategie ist es, davon zu profitieren. Fällt der Kurs eines Wertes, steigen prozyklische Anleger in der Regel aus und verkaufen. Diese Strategie ist relativ einfach umzusetzen, man sollte jedoch den richtigen Zeitpunkt des Ausstieges nicht verpassen, sonst zieht die Karawane ohne einen weiter. Ich erinnere daran: „An der Börse sind die Gewinne der einen, die Verluste der anderen…“!

  • Die prozyklische Anlagestrategie ist für Einsteiger einfach nachvollziehbar. Diejenigen, die im Börsenhandel eher unerfahren sind, nehmen sich andere Anleger zum Vorbild und investieren in die gleichen Wertpapiere wie sie.
  • Die Strategie ist zwar einfach, aber trotzdem zeitintensiv. Anleger müssen beobachten, was die Märkte machen.
  • Verkaufen die Profis, sollten auch die Einsteiger verkaufen.
    Gerade in einem positiven Marktumfeld bestehen Aussichten auf gute Gewinne, eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht. Das Risiko kann unter Umständen überschaubar sein, wenn man die Märkte im Blick hat und – falls der Wind sich dreht – auch tatsächlich aussteigt.
  • Allerdings: Das Risiko kann auch sein, dass Anleger mit dem Trend gehen und dadurch starke Verluste machen – anstatt den Abschwung „auszuhalten“.
Ihr Geld hat Besseres verdient - Rectangle 200x250

antizyklisch handeln

Wie der Name schon verrät schwimmen Anleger, bei einer antizyklischen Strategie nicht mit der Masse, sondern gegen diese. Wenn alle anderen ihre Papiere verkaufen, steigst du ein. Grundgedanke ist, dass die Börse in ihrer Reaktion oft übertreibt. So werden etwa in Krisenzeiten auch die Aktien guter Unternehmen auf den Markt geworfen.

Diese Chance nutzen antizyklische Anleger dann zum Kauf. Vorausgesetzt man hat in seinem Finanzmanagement ausreichend Bestand an liquiden Mittel. Da es an der Börse ein ständiges Auf und Ab gibt, kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo der Kurs wieder nach oben geht. Für Börsen-Neulinge ist diese Strategie nicht unbedingt ideal, da sie viel Fachwissen über Märkte und Einzelunternehmen, sowie ein recht großes Verständnis von wirtschaftlichen Zusammenhängen voraussetzt wird. Auch hier ein kluger Satz von unseren Altweisen Börsengurus – „…never catch a falling knif“. (Greife niemals in ein fallendes Messer)

  • Die antizyklische Anlagestrategie ist mit hohen Risiken verbunden, da der Anleger hierbei entgegen dem allgemeinen Trend auf eine gegenläufige Entwicklung an den Märkten setzt oder diese zumindest vermutet.
  • Die Strategie erfordert – wie andere Strategien auch – viel Einsatz des Anlegers, da er sehr intensiv die Märte verfolgen und beobachten muss, wie sich Unternehmen und Wertpapiere entwickeln.
  • Anleger müssen genau ausloten, wann der richtige Zeitpunkt zum Kaufen und Verkaufen ist. Das erfordert viel Erfahrung. Gehen Anleger davon aus, dass in einer schlechten Phase der Turnaround bald erreicht ist, sollten sie investieren – und verkaufen, wenn sie eine Kursunterbrechung beziehungsweise einen Kurshöchststand mit anschließend fallenden Kursen vermuten.
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