Entwicklung von Zins

Was ist Zins...?

Grundlagen

Klassisch beschrieben ist Zins die Gegenleistung eines Schuldners für überlassenes Kapital von einem Gläubiger (Kapitalgeber). Doch der Zins selbst ist weit älter als die Erfindung der gedruckten Schuldverschreibungen namens Geld. Im Wortstamm des heutigen Begriffes “Zins” verbirgt sich das lateinische Wort “cènsère – cènsum” was so viel wie „schätzen oder wiegen“ bedeutet. Logischerweise daher geprägt, dass „Zinsen“ hauptsächlich auf das Naturkapital, also Naturalien erhoben wurden. Abgaben in Form von Ernteerträgen war die damaligen Formen des Zins. 

Woher kommt der Zins?

Über die Jahrhunderte hinweg hat sich das Prinzip für die Überlassung von Nutzungsrechten und Kapitalmitteln weiterentwickelt. Durch die Religionen hinweg wurde Zins zeitweilig verboten (für Teile der Gesellschaft) bzw. beschränkt und wieder zugelassen. Schon 1.800 Jahre v. Chr. erlaubte der “Zins”, bei Nichtbegleichung des Schuldners die Durchsetzung der „Schuldknechtschaft“ (= zeitliche Sklaverei)!
Im Code “Hammurabi” (Grundgesetz) in Babylon wurde als Erstes die Begrenzung des Zinses auf ein Höchstmaß festgeschrieben. Somit sollte dem Wucher Einhalt geboten werden. Hier wurden bereits die „Ausfallrisiken“ von Kapitalgüter mit in den Zins verrechnet (Risikomanagement heutzutage). Verderbliche Güter wie Getreide wurden mit einem höheren Zins versehen als  Mineralien, wie Kupfer. Damit wurden die Grundsteine für das moderne Spiel mit Bedürfnis, Mangel, Überschuss, Angebot und Nachfrage gelegt.

Entwicklung des Zins...

Platon und Aristoteles kamen beide in Ihren Betrachtungen zum Zins zu der Überzeugung, dass Zinsen dem Staat (der Gemeinschaft) Schaden würden. Der Wucherzins veranlasste Solon (324 v. Chr.) in Griechenland, den Höchstzins auf 12 % zu beschränken. Auch in Indien wurde durch die „Staatsspitze“ der Zinssatz gesetzlich reglementiert. Einen enormen Schub in der Entwicklung und Verbreitung bekam das Zinssystem (Geld verleihen) damit, dass Geldleiher in Judäa ca. 30 n. Chr. Zinsen auf Depositen vergüten konnten (Deposition = Geldeinlagen). Das heißt, für eingelagertes “Vermögen/Kapital” konnten „Gebühren/Zinsen“ erhoben werden. Dieses wird als der Punkt in unserer Geschichte betrachtet, an dem man mit Handel durch Kapital (Geld) wieder neues Kapital (Geld) erzeugen kann (passiver Profit). Der Anreiz ist, dass man natürlich mehr Kapital zurückerhält, wenn man dieses für eine definierte Zeit verleiht. “Entgegengesetzt” verwendeten die Römer den Darlehenszins. Wobei man für die Überlassung von Kapitalmitteln eine Gebühr bezahlen muss. Somit begann der Berufsstand der „Geldverleiher“ seinen enormen Welt- und Gesellschaftsumspannenden Aufstieg. Mit der Erkenntnis der logarithmischen Funktionen von Zahlenreihen durch John Napier (1614) wurde erstmals das exponentielle Wachstum von Schulden durch den Zins verdeutlicht.

Kapitalmarkt-Slide
Übersicht-Kapitalmarkt
Kapitalmarkt-Zinssatz
Folie-Zinsen am Kapitalmarkt

Entwicklung des Zins

John Locke (1692) meinte, dass zu niedrige Zinsen Geldverleihern zum Horten von Kapital (Schuldverschreibungen) veranlassen würden, wohingegen zu hohe Zinsen den Profit der Kaufleute schmälern. Dieses würde einen Rückgang der Geldnachfrage nach sich ziehen. Also wurde die Wertigkeit des Geldes (Schuldverschreibungen) als Tauschmittelfunktion für Waren erstmals über das zugrundeliegende Verhältnis von Zinshöhe, Angebot und Nachfrage hin beschrieben.
In seinem heutigen Stadium wird der Basiszins oder auch Leitzinssatz durch die Institutionen der EZB (Europäische Zentralbank) oder FED (Zentralbank USA) festgelegt. Leitzinssätze für den sich Banken, Geld bei den Zentralbanken, leihen können. Seit 2012 ist das Stadium des Null – Zins bzw. Negativzins – Niveaus erreicht. (Es ergibt also keinen Sinn mehr, Kapital in Form von Bargeld zu besitzen!)

heute...

Die Zentralbanken steuern über ihre Zinspolitik die sogenannten Leitzinsen für Ihren Währungsraum (die Geldnachfrage). Ziel, ist die Beeinflussung der Preisstabilität der Schuldverschreibungen, und somit die Verschuldung der Bevölkerung eines Währungssystems zu steuern. In Europa leihen sich die Banken zum Euribor Geld bei der Zentralbank. Schulden sind Wirtschaftswachstum! Also was ist Zins? Ein zusätzliches Kapitaleinkommen, die Investitionssteuerung durch Profitgier oder beschreiben Zinsniveaus doch die Verfügbarkeit von Gütern und Dienstleistungen…?

Denkanstöße....

Für Karl Marx (deut. Philosoph, Ökonom, Gesellschaftskritiker 1818-83) ist der Zins ein Teil des Mehrwertes, der wiederum durch Ausbeutung der Arbeitskraft (der Bevölkerung im Währungsraum) durch den Kapitalisten (Geldgeber) gewonnen wird….

Eugen von Böhm-Bawerk (österr. Ökonom 1851-1916) “Zins ist nicht der Preis des Geldes, sondern der Preis für die Zeit und belohnt den Verleiher für eine zeitliche (theoretische) Verschiebung seines Konsums…..”

Adam Smith (engl. Ökonom 1723-90) sieht Zins als das „gerechte“ Steuerungselement durch den Kapitalisten. Theoretisch sind die Zinsen in den Bereichen mit der höchsten Knappheit am höchsten. Daher ist der Kapitalist interessiert (Interest) sein Kapital dort zu vermehren und dadurch ungewollt die Knappheit (für die Gesellschaft) zu verringern…

Cesare Beccaria (ital. Philosoph 1738-94) unterschied 1769 scharf zwischen Interesse und Zins. Das Interesse dient dem unmittelbaren Nutzen einer Sache der Zins hingegen den „Nutzen des Nutzers“….

MoneyMonkey meint – “Der Zins regiert die Welt und das Geld die Menschheit”

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